Aufgaben moderner Falknerei: Pflege und Wiederauswilderung verletzter Greifvögel

Februar 17, 2010 · Posted in Blog, Falknerei | Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen 

Oft wird Falknern die Frage gestellt, wo denn außerhalb des Jagdbetriebes Falknerei  noch praktiziert und benötigt wird. Die Einsatzgebiete der modernen Falknerei sind jedoch so vielfältig, dass die Jagd nur noch ein kleiner Teil des ganzen Themengebietes Falknerei ist.

Um viele dieser Fragen zu beantworten, habe ich mich entschlossen, hier eine kleine Artikelserie zu schreiben, welche die einzelnen Einsatzgebiete einmal aufzeigt und beschreibt.

Neben der Ausbildung eines Vogels zum Jagdhelfer ist die Pflege und Wiederauswilderung weiter Bereich der modernen Falknerei. Unsere wildlebenden Greifvögel sind heute vielerlei, durch Menschen verursachten, Gefahren ausgesetzt.

Da die Pflege verletzter Wildtiere nicht mit denen eines Haustieres vergleichbar ist und auch viele Tiermediziner damit überfordert sind, kommen in diesem Bereich sehr häufig Falkner zum Einsatz, welche Experten für Anatomie, Verhalten und Lebensweise der Greifvögel und Eulen sind.

Verletzte Tiere werden gesund gepflegt und anschließend mit einem speziellen Training auf eine Wiederauswilderung, und damit das selbständige Leben in freier Natur, vorbereitet.

Erst wenn sichergestellt ist, dass ein Pflegling wieder in der Lage ist selbständig zu Jagen und erfolgreich Beute machen kann, darf ein Pflegling wieder ausgewildert werden.

Die Risiken, mit welchen ein wilder Greifvogel heute leben muss, sind enorm – nachfolgend einmal ein kleiner Überblick, über die größten Unfallrisiken für Greifvögel.

Risiko1: Greifvögel und Verkehr

Durch unsere von Straßen zerschnittenen Landschaften kommt es recht häufig zu Kollisionen von Greifvögeln mit Fahrzeugen. Begünstigt wird dies auch durch die Tatsache, dass sich viele Greifvogelarten gerne Tiere als Beute sichern, welche zuvor von Auto überfahren wurden, und dann selbst zum Verkehrsopfer werden.

Risiko 2: Greifvögel und hohe Zäune und Glasfronten

Hohe Zäune, welche die offene Landschaft durchschneiden beenden Jagdflüge oft sehr abrupt, weil der jagende Greif diese oft sehr feinen Zäune nicht mehr wahrnimmt und ungebremst in diese hinein fliegt. Dabei entstehen oftmals sehr schwierige Verletzungen, Flügelbrüche oder gar offene Flügelverletzungen, die nicht immer heilbar sind.

Ein zweites Risiko in diesem Bereich sind die zunehmenden Glasfronten und Wintergärten. Glas wird von den meisten Vögeln nicht wahrgenommen und nicht allzu selten endet ein Jagdflug an Fensterscheibe oder Balkontür. Gerade bei kleineren Greifvögeln, welche wir in unseren Dörfern und Städten haben (wie Turmfalken und Sperber) ist dies eine häufige Verletzungsursache. Hier entstehen zumeist Kopfverletzungen.  Im einfachen Fall nur eine leichte Gehirnerschütterung, im schlimmsten Falle ein Genickbruch.

Risiko 3: Windkraftanlagen und Windräder

Windkraftanlagen und Windräder sind sicher ökologisch saubere Energieerzeuger. Aber auch bei dieser Art der Stromerzeugung hat der Mensch einen Tribut an die Natur zu zahlen. Greifvögel geraten immer wieder in die sich drehenden Rotoren von Windrädern hinein.

Greifvögel nehmen das sich drehende Hindernis nicht rechtzeitig als solches wahr und fliegen zwischen den einzelnen Rotorblättern durch. Dabei werden sie von eben diesen leider allzu oft auch getroffen. Viele dieser Verletzungen sind sehr schwer und können, wenn überhaupt, nur sehr schwierig behandelt werden.

Untersuchungen des NABU ergaben, dass neben Fledermäusen vor allem Rotmilan und Seeadler Probleme mit diesen Anlagen haben, und es hier häufig zu Unfällen kommt.

Risiko 4: Überlandleitungen, Stromleitungen

Der Stromtod ist bei vielen Greifvogelarten leider immer noch zu beobachten. Gefährdet sind die Tiere hier, wenn sie auf den Masten landen und mit Teilen des Gefieders an stromführende Teile kommen, und somit einen Erdschluss herstellen.

Durch eine Umrüstung der Masten mit speziellen Isolatoren könnte man hier Seitens der Betreiber Abhilfe schaffen. Obwohl sie mittlerweile gesetzlich verpflichtet sind, alte Anlagen bis 2014 umzurüsten, geht dies jedoch leider nur zögernd voran, so dass  Stromverletzungen immer noch zum Alltag gehören.

Die meisten Stromverletzungen bei Greifvögeln enden tödlich.

Dies nur einmal ein kleiner Überblick über Verletzungs- und Unfallrisiken in der modernen Zeit. Man sieht sehr gut, dass das Spektrum vielfältig ist.

Moderne Falknerei und viele Falkner, seien es nun private Falkner, in Auffangstationen oder Falkenhöfen, pflegen jedes Jahr viele dieser Opfer wieder gesund und verhelfen diesen Tieren zum einem weiteren Leben in freier Natur.  Meist wird diese Hilfe kostenlos erledigt, da es weder für Privatpersonen noch für die meisten Falknereien oder Auffangstationen öffentliche Zuschüsse gibt.

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